Kiezpatriotismus und ein Wegbier vom Späti

Neuer Wortschatz für Zugezogene

Die Metropole Berlin ist bevölkert von Smalltown Boys und Smalltown Girls. Die Urberliner, die schon immer hier wohnen, nennen sie die Zugezogenen. Auch so ein Wort, das man als Zugezogener erst einmal lernen muss. Als wäre es nicht schon schwierig genug, wenn man neu in der Stadt ist…

Es beginnt schon, wenn man ein Brötchen kaufen will – pardon, eine Schrippe! Oder gar einen dieser speziellen Donuts, die überall in Deutschland Berliner heißen – außer in Berlin, wo man sie Pfannkuchen nennt.

Spezifisch berlinerisch ist auch der Späti – oder etwas formeller: Spätkauf. Kleine Geschäfte, in denen man Getränke, Snacks und Zigaretten kaufen kann, heißen in anderen Regionen Bude oder Kiosk. Dass man sie in Berlin Späti nennt, liegt wohl daran, dass sie hier auch nach 22 Uhr noch geöffnet haben. Wer will, kann bekommt im Späti auch mitten in der Nacht noch ein Wegbier.

Berlin und seine Kieze

Und dann gibt es da noch das Wort Kiez, ein umgangssprachliches Synonym für Stadtteil oder Viertel. Während das Wort Bezirk eine städtische Verwaltungseinheit beschreibt, hat Kiez etwas mit Heimat zu tun. Wenn ich Bezirk höre, denke ich ans Bürgeramt. Wenn ich Kiez höre, denke ich an den Späti in meinem Haus. Oder an den Dönerimbiss gegenüber. Oder an die Eckkneipe nebenan, eine dieser etwas versifften, verrauchten Bars, wo die Urberliner vor ihrem Bier sitzen und ab und zu ein paar Hipster vorbeikommen, weil sich das so schön authentisch anfühlt. In meinem Bezirk bin ich gemeldet – in meinem Kiez bin ich zu Hause.

Ob Urberliner oder Zugezogene – viele Menschen, die in Berlin wohnen, feiern ihre Kieze: So groß die Metropole, so vertraut der eigene Kiez. Die Geschichte der einzelnen Kieze begünstigt die Identifikation mit ihnen. Manche waren früher eigene Städte wie Charlottenburg oder Spandau, andere haben bestimmte Gruppen besonders angezogen – so hat sich etwa Schöneberg schon in den 1920er Jahren als Zentrum der europäischen LGBTI-Szene etabliert, in Kreuzberg fanden die ersten Arbeitsmigranten aus der Türkei ein (damals nicht sehr komfortables, aber auch nicht sehr teures) Zuhause.

Kiezpatriotismus

Viele Kieze haben neben einem offiziellen auch einen inoffiziellen Namen: Aus Kreuzberg wird X-Berg, aus Prenzlauer Berg Prenzelberg, aus Friedrichshain F-Hain. Ein Freund aus Moabit hat einen Sticker am Kühlschrank kleben: „Moabit ist beste!“ Ziemlich cool.

Der coolste Kiez ist aber natürlich immer der eigene. All on Board liegt im Wedding und ich habe das Glück, in der Nachbarschaft zu wohnen. Der Wedding hat ein eigenes Prime Time Theater, in dem Berliner Lokalpatriotismus im Comedy-Format zelebriert wird. Auch literarisch hat der coolste Kiez Berlins eine Menge zu bieten – zum Beispiel die „Brauseboys“, die in satirischen Texten vom Alltag im Wedding erzählen. Zuhören kann man ihnen donnerstags in der Kulturfabrik bei einer der vielen Berliner Lesebühnen.

Bevor ich es mit dem Lokalpatriotismus übertreibe, mache ich Schluss für heute und gehe nach Hause. Soll ich mir vorher vielleicht noch ein Wegbier beim Späti holen?

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Frohe Weihnachten!

„Großer Gott, wir loben dich“ – dies war eines der Lieder, mit denen sich Angela Merkel mit militärischem Zeremoniell aus dem Amt als Bundeskanzlerin verabschieden ließ. Man könnte nun darüber diskutieren, ob man einen Choral einer Militärkapelle überantworten sollte. Oder darüber, ob ein religiöses Lied in einem mehr oder weniger säkularen Staat überhaupt das Richtige für die Verabschiedung einer Regierungschefin ist. Das könnten ziemlich kontroverse Diskussionen werden…

Christliche Konfessionen in Deutschland

Dabei hat Angela Merkel das Lied „Großer Gott, wir loben dich“ sicherlich nicht ausgesucht, um zu spalten, sondern um zu verbinden. „Großer Gott, wir loben dich“ ist nämlich, wie die Journalistin Anja Maier in der Wochenzeitung DIE ZEIT bemerkt, ein „ökumenischer Gassenhauer für alle Lebenslagen“ – ein Lied also, dass sowohl bei Katholiken als auch bei Protestanten beliebt ist. Ursprünglich wurde es nur in der katholischen Kirche gesungen, im 19. Jahrhundert übernahmen es auch protestantische Gemeinden.

Obwohl Religion im Alltag vieler Menschen in Deutschland keine wichtige Rolle spielt, sind die Unterschiede zwischen den beiden großen Konfessionen bis heute bemerkbar. Zum Beispiel gibt es katholische und evangelische Schulen und Kindergärten, und auch an öffentlichen Schulen findet der Religionsunterricht in manchen Bundesländern nach Konfessionen getrennt statt.

Katholische und evangelische Weihnachtstraditionen

Jetzt, in der Weihnachtszeit, vermischen sich katholische und evangelische Traditionen. Der Nikolaus zum Beispiel kommt auch zu evangelischen Kindern – obwohl Martin Luther vom Kult um Heilige gar nichts hielt. Den Nikolaus wollte er durch das „Christkind“ ersetzen, das am Heiligabend die Geschenke brachte. Heute teilt sich das Christkind diese Aufgabe mit dem Weihnachtsmann – in evangelisch ebenso wie in katholisch geprägten Regionen.

Auch viele Weihnachtslieder sind an keine Konfession gebunden. Manche aber sind es doch. Zum Beispiel „Heiligste Nacht“. Dieses Lied wünschte sich meine evangelisch getaufte Großmutter immer zu Weihnachten – allerdings nicht für sich selbst, sondern für meine katholischen Großeltern, die Heiligabend bei ihr zu Gast waren. „Heiligste Nacht“ hat es irgendwie nie in evangelische Messen geschafft – auf den Weihnachtsfeiern unserer Familie durfte es dagegen nicht fehlen, denn die katholischen Gäste sollten sich willkommen fühlen. Heute wirkt eine solche Geste antiquiert, und vielleicht war sie es auch damals schon. Für die Generation meiner Großeltern jedoch waren Konfessionen keinesfalls eine Banalität – und so war auch die Sache mit dem katholischen Weihnachtslied nicht banal.

Freche Parodien

Genug des Pathos – Weihnachtslieder laden schließlich nicht nur zu Betrachtungen über die im Glauben oder eben auch nur im Gesang vereinte Christenheit ein, sondern auch zu frechen Parodien. Da wäre zum Beispiel der Klassiker „Oh Tannenbaum“, in dem es eigentlich um die Schönheit eines Tannenbaums geht. Alternativ singt man aber auch gern: „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, / Die Oma liegt im Kofferraum. / Der Opa macht den Deckel zu, / Nun hat er endlich seine Ruh‘.“

Mein Opa hatte Weihnachten keine Ruh‘, denn spätestens nach dem zweiten Likör sang meine Oma eine Parodie des eigentlich sehr feierlichen Weihnachtsliedes „Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen“. „Am Weihnachtsbaume, da hängt ‘ne Pflaume, / Wer hat die Pflaume drangehängt? / Das war mein Bruder, das dumme Luder, / Der hat die Pflaume drangehängt.“ So sang meine katholische Großmutter. Und ob katholisch, evangelisch oder atheistisch – wir alle hatten unseren Spaß daran.

Wie auch immer ihr die Weihnachtstage verbringt – wir wünschen euch eine erholsame Zeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Herbstlicher Laubregen von Komposita

Poesie oder Wortmonster? Meine Bekannten sind gar nicht glücklich über das Ende des Sommers: Vorbei die Zeit der Picknicks, der Grillpartys, der Nachmittage am See – nur noch allgemeines Absterben. Aber hat nicht gerade die Melancholie des Herbstes ihren Zauber? Keine andere Jahreszeit hat deutschsprachige Dichterinnen und Dichter mehr inspiriert. Und kommt man nicht selbst in poetische Stimmung, wenn man im goldenen Oktober spazieren geht? Die dunkelvioletten Astern, die purpurroten Blätter, der zartblaue Himmel – ach!

Na gut, das waren jetzt eher Klischees als Poesie. Doch auch in den Klischees zeigt sich ein Charakteristikum der deutschen Sprache: Man kann mit ihr Neues kreieren, indem man verschiedene Wörter zu einem verbindet. Mark Twain hat sich in seinem Essay „Die schreckliche deutsche Sprache“ über die Wortmonster lustig gemacht, die dabei entstehen können: „Manche deutschen Wörter sind so lang, dass man sie nur aus der Ferne ganz sehen kann“, kommentiert er die deutsche Begeisterung für Komposita.

Fugenelemente: Deutsch lernen, um die Wortmonster zu erschlagen

Eigentlich haben Komposita eine sprachökonomische Funktion. „Purpurrote Ahornblätter“ geht schneller als „Blätter, die so rot wie Purpur sind“. Trotzdem fragte sich 1999 wohl manche Zeitungsleserin, ob in der Redaktion die Leerzeichentaste klemmte, als über die Verabschiedung des „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetzes“ berichtet wurde. 2013 wurde das Gesetz abgeschafft. Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern bereitet es aber immer noch Freude.

Im Gegensatz zu anderen Komposita besteht das Wort „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“ ausschließlich aus Substantiven, von denen manche mit, andere ohne Fugenelement verbunden wurden. Fugenelemente sind so etwas wie der Klebstoff zwischen zwei Wörtern. Im Wort „Fugenelement“ werden zum Beispiel die Wörter „Fuge“ und „Element“ mit einem kleinen -n- aneinandergeklebt. Im „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“ finden wir als Fugenelement dreimal das kleine -s-, das man nach -ung und -ion einsetzt. Es gibt ziemlich viele Fugenelemente. Im bietet dazu sprachgeschichtliche Erklärungen an – trotzdem weiß man manchmal nicht, welches man gerade braucht. Die gute Nachricht ist: Meistens braucht man gar keins.

Wenn man etwa ein Verb und ein Substantiv zusammenfügt, wie in dem Wort Klebstoff. Hier wird einfach der Verbstamm (Kleb-) mit dem Substantiv (Stoff) verbunden.

Auch Adjektive verbindet man ohne Fugenelemente miteinander – wir erinnern uns an die dunkelvioletten Astern und den zartblauen Himmel. Auch wenn ein Substantiv und ein Adjektiv kombiniert werden, braucht es normalerweise kein Fugenelement – egal, ob die Blätter nun purpurrot, feuerrot, blutrot, scharlachrot oder weinrot sind. 

Spaß mit Komposita

In „Ödipussi“ (1988), einem Spielfilm des großartigen Humoristen Loriot, streiten der Vertreter eines Textilhandels und eine Psychologin über eine geeignete Farbe für das Sofa eines depressiven Ehepaars. Während die Psychologin für „ein frisches Gelb, ein Apfelgrün“ plädiert, freut sich der Geschäftsmann über den Wunsch des Ehepaars, das Sofa grau beziehen zu lassen – denn er hat eine Kollektion von 28 Grautönen: mausgrau, staubgrau, aschgrau, steingrau, bleigrau, zementgrau…  

Ob diese graue Vielfalt gegen die Depression helfen wird? Zumindest zeigt sie: Komposita finden wir nicht nur in der Sprache der Bürokratie. Sie können uns auch zu kuriosen Wortschöpfungen inspirieren. Probiert es selbst aus: Kreiert bei eurem nächsten Spaziergang im Park Komposita für eure Umgebung. Ich jedenfalls gehe jetzt erst einmal das sonnengelbe Laub bewundern, das sich in den kristallklaren Teichen im Volkspark Rehberge spiegelt. Okay, die Teiche sind eigentlich schlammbraun – aber schlammbraun ist auch ein Kompositum.

Deutsch lernen mit Vielfalt

Ich bin sicher: Im Volkspark Rehberge, der ja selbst aus zwei Komposita besteht, werde ich auf Kombinationsmöglichkeiten aller Art treffen – manchmal treffe ich dort sogar einen rauflustigen (Verb + Adjektiv) Waschbären (Verb + Substativ), der die moosgrünen (Substantiv + Adjektiv) Mülleimer (Substantiv + Substantiv) inspiziert – besser, als wenn er die blassblauen (Adjektiv + Eier) des Rotkehlchens (Adjektiv + Substantiv) stiehlt…

Machen Sie mit All on Board einen Spaziergang durch die deutsche Sprache. Melden Sie sich für unseren neuen B2-Kurs an: www.allonboard.de

 

 

Umgangssprache lernen mit geiler Mucke

Beim letzten Mal ging es hier um kuriose deutsche Wörter. Besonders kurios sind im Deutschen Tiernamen: Schmetterling, Eichhörnchen – Tiere, nach denen man Panzer benennen könnte, wenn es dabei nur um phonetische Aspekte ginge. Ein wirklich bösartiges Tier dagegen ist der Ohrwurm.

All on board Ohrwurm

Streng genommen ist der Ohrwurm gar kein Tier, sondern nur eine Tiermetapher. Ein Ohrwurm ist ein Lied, das einem einfach nicht aus dem Kopf geht. Ein Lied wie „Last Christmas“. Wahrscheinlich genügt schon der Titel des Songs und ihr werdet die Melodie nicht mehr los – dabei haben wir Juli! Sorry, wenn ihr jetzt den Rest des Tages an George Michael denken müsst. Manchmal ist Didaktik eben brutal.

Umgangssprache in der Popmusik

Ein Ohrwurm, der besser zur Jahreszeit passt, ist „Ab in den Süden“ von DJ Buddy. Das Lied ist schrecklich, aber es enthält viele umgangssprachliche Redemittel, die in keinem Lehrbuch stehen und die ihr im Kopf behalten werdet, wie ihr „Ab in den Süden“ im Kopf behalten werdet.

„Den ganzen Tag am Strand ziehen wir uns die Melonen rein“ ist so ein Beispiel für Umgangssprache. Was bitte machen die mit den Melonen? Nichts Besonderes, sie essen sie. Sich was reinziehen kann auch allgemeiner bedeuten: etwas konsumieren. Auch geile Mucke kann man sich reinziehen. Geile Mucke ist Musik, die gute Laune macht.

„Ab in den Norden“

Ob „Ab in den Süden“ geile Mucke ist, darüber lässt sich streiten. Als der Song 2003 bekannt wurde, war in Norddeutschland eher „Ab in den Norden“ populär – diese Version des Songs hat DJ Buddy freundlicherweise gleich mitgeliefert. Auf verregneten Gartenpartys sangen wir trotzig: „Die Sonne scheint auch hier, ‚ey jo, was geht?‘, im Norden bleiben wir, ‚ey, jo, was geht?‘“

„Was geht?“ heißt ungefähr „Was passiert hier gerade?“ Auf den verregneten Gartenpartys meiner Kindheit wäre die ehrliche Antwort gewesen: „Nix los hier.“ Aber wir versuchten, aus der norddeutschen Tristesse das Beste zu machen. Also sangen wir: „Tequilla, Tequilla, Tequilla, wunderbar, und heute Nacht machen wir die ganze Insel klar.“ Einen Ort klar oder auch unsicher machen, bedeutet, dort wild zu feiern oder von Bar zu Bar zu ziehen.

„Heute Nacht machen wir die ganze Insel klar“ – nun ja, die kleinen Inseln an der deutschen Nordseeküste sind eher ein Seniorenparadies als ein Party-Hotspot. Egal, wir sangen trotzdem: „Ab geht die Party und die Party geht ab!“ Das heißt: Die Party läuft.

Überraschende Entdeckungen in Songtexten

Interessant an dieser Zeile ist die Inversion, also die veränderte Position des Präfixes „ab“ aus dem Verb abgehen. Die Inversion ist ein heute eher veraltetes Stilmittel, das man oft in der Literatur des 19. Jahrhunderts findet. Wie hat sich dieses Stilmittel bloß in DJ Buddys Ohrwurm verirrt? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Aber es zeigt: In der Popmusik gibt es einiges zu entdecken.

Geht doch auch mal auf eine sprachliche Entdeckungsreise in der Musik. Ob sie nun in den Süden, in den Norden oder vielleicht doch eher zu renommierten deutschsprachigen Rap-Künstlerinnen- und Künstlern wie Sookee, Lady Bitch Ray, Peter Fox oder Danger Dan führt – mit geiler Mucke ist Deutschlernen der Hammer!

Lieblingswörter

Es war einer der ersten richtig warmen Tage des Jahres. An den Gesichtern der Teilnehmerinnen und Teilnehmer meines Kurses sah ich, dass sie an Baden, Grillen, vielleicht auch ein kühles Bier dachten, aber sicher nicht an die deutsche Sprache. „Ja, ja, ich würde jetzt auch lieber in Sommerfrische fahren!“, lachte ich, als ein Teilnehmer sehnsüchtig aus dem Fenster schaute. „Wohin?“ fragte er neugierig. „In die Sommerfrische!“, antwortete ich – und plötzlich hatten wir wieder Lust auf den Deutschunterricht, weil uns das Wort so gut gefiel. Die Sommerfrische ist ein Erholungsaufenthalt. Wer in die Sommerfrische fährt, verlässt die Stadt, um den Sommer draußen in der Natur zu genießen. Freude an interessanten Wörtern kann man nicht nur in der Sommerfrische haben, sondern überall. Deshalb bat ich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spontan, ihre deutschen Lieblingswörter aufzuschreiben.

Schmetterling

Harter Sound

Deutsch gilt nicht als besonders schön – hart klingt es, für manche sogar aggressiv. Man denke nur an das Worte Schmetterling. Schmettern bedeutet mit Wucht schlagen oder auch laut singen. Das Wort kommt aber von „Schmetten“, althochdeutsch für „Sahne“. Wie der englische butterfly verdankt der Schmetterling seinen Namen also seinem Faible für Milchprodukte. Trotzdem muss man bei dem Wort „Schmetterling“ irgendwie an einen Kampfjet denken.

Doch gerade am Klang mancher Wörter haben viele Lernende Freude. Tatsächlich notierte sogar jemand „Schmetterling“. Zusammen mit Eichhörnchen. Bei dem Wort denkt man vielleicht an ein zischendes Reptil, obwohl man vor diesen niedlichen Tieren wirklich keine Angst zu haben braucht…

Unübersetzbar

Oft sind Wörter auch wegen ihrer spezifischen Bedeutung interessant. Die Schriftstellerin und Aktivistin Sharon Dodua Otoo, deren Muttersprache Englisch ist, liebt zum Beispiel das Wort Auseinandersetzung, also die ernsthafte, manchmal konflikthafte Beschäftigung mit etwas. Sich mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen bedeutet, nicht bloß Vokabeln zu lernen, sondern zum Beispiel darüber nachzudenken, ob man ein deutsches Lieblingswort hat. Und ja, es bedeutet auch, sich über all die seltsamen Deklinationsendungen zu ärgern.

Viele deutsche Wörter lassen sich nur schwer übersetzen. Manchmal sind es ganz alltägliche. Die Lyrikerin Mascha Kaléko, die vor den Nationalsozialisten in die USA floh, hat im Exil ein Gedicht mit dem Titel „Der kleine Unterschied“ darüber geschrieben:

Es sprach zum Mister Goodwill
ein deutscher Emigrant:
„Gewiss, es bleibt dasselbe,
sag ich nun land statt Land,
sag ich für Heimat homeland
und poem für Gedicht.
Gewiss, ich bin sehr happy:
Doch glücklich bin ich nicht.“

Glücklich kann man natürlich mit happy übersetzen. Aber es bleibt eben ein kleiner Unterschied. Für die Dichterin Mascha Kaléko hat er sich verdammt groß angefühlt. Sie hatte furchtbar Heimweh.

Zu Heimweh gibt es übrigens ein schwer zu übersetzendes Pendant: Fernweh. Deutschland ist eine Reisenation. Egal, wie weit man reist, ein paar Deutsche mit Trekking-Schuhen trifft man garantiert. Wer zu Hause bleiben muss, sehnt sich nach der Ferne. Er hat Fernweh.

Kraftausdrücke und Ausdrücke, die Kraft geben

Wie man sich mit Elan auf Deutsch ausdrücken kann

backpack

Eigentlich kann ich mich nicht beklagen. Wenn gerade mal das Internet funktioniert, habe ich es im Homeoffice ganz nett. Ich trinke Kaffee, kreiere lustige Akkusativ-Übungen und schreibe hin und wieder einen Blog-Post. Trotzdem, die Zeiten könnten besser sein: Immer noch nicht genug Impfstoff, immer noch Lockdown, immer noch Angst, sich irgendwo zu infizieren. Und das Wetter ist auch scheiße. Ups, habe ich scheiße gesagt?

Kraftausdrücke im „Land der Dichter und Denker“

Wenn man sich ärgert, spricht man eben meistens nicht in geistreichen Zitaten – auch nicht in Deutschland, dem „Land der Dichter und Denker“. Klar, wir alle haben als Kinder gelernt, dass man keine bösen Wörter benutzen soll. Aber manchmal muss der Frust einfach raus, verdammte Scheiße! Deshalb gibt es für böse Wörter im Deutschen auch einen sehr schönen Begriff: Kraftausdrücke. Das klingt nicht verboten, sondern vital.

Kraftausdrücke können sogar zu Poesie inspirieren. Als ich Kind war, brachte mir meine Oma Verse bei, in denen es, nun ja, um Scheiße ging. Bei der Recherche für diesen Eintrag habe ich herausgefunden, dass Scheiße-Sprüche sogar ein eigenes Genre sind. Meine Oma gab am liebsten diesen hier zum Besten: „Scheiße in der Kuchenform / ändert den Geschmack enorm.“

Meine Kolleginnen von All on Board fragten mich, ob dieser Spruch eine tiefere Bedeutung habe. Ich habe mal Germanistik studiert, müsste also eigentlich in allem, was sich reimt, irgendetwas Tiefes erkennen. Die Verse zur Scheiße in der Kuchenform sind aber definitiv nicht fürs Germanistik-Seminar gedacht. Es geht da nicht um Tiefe, sondern um das kreative Spiel mit der Sprache.

Faust

Vulgärer Spaß

Nicht nur meine Oma fand Kraftausdrücke lustig, es gibt ziemlich viele Menschen, die daran ihre Freude haben. Interkulturelle Begegnungen machen zum Beispiel besonders Spaß, wenn man sich über Kraftausdrücke aus verschiedenen Sprachen unterhält. Auf diese Weise habe ich schon viele heitere Abende verbracht.

Dabei hat sich immer wieder gezeigt, dass vulgäres Deutsch viel weniger sexuelles Vokabular enthält als die meisten anderen europäischen Sprachen. Deutsche Kraftausdrücke stammen vor allem aus dem analen Bereich. Oder, wie es der Sprachwissenschaftler Hans-Martin Gauger formuliert: „Wir sind, auf Deutsch gesagt, klar und beharrlich auf der Scheiße-Linie.“

Das wohl beliebteste deutsche Schimpfwort ist folgerichtig „Arschloch“. Ein befreundeter Jurist erzählte mir neulich, im Durchschnitt breche ein deutscher Bürger einmal täglich das Gesetz. Das könnte auch an dem Wörtchen „Arschloch“ liegen. Es wird ziemlich oft benutzt – aber man kann eine Anzeige wegen Beleidigung bekommen, wenn man jemanden so nennt.

Mir würden übrigens schon noch härtere Beleidigungen einfallen, auch sexualisierte, aber leider wir sind eine seriöse Sprachschule, deshalb verrate ich sie euch nicht.

Ausdrücke, die Kraft geben

Doch vielleicht braucht ihr ja gerade auch gar keine Kraftausdrücke, sondern eher Ausdrücke, die Kraft geben. Motivierende Sätze, Sätze wie: Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Das Licht steht für Hoffnung. Dass es Licht am Ende des Tunnels gibt, kann zum Beispiel bedeuten, dass wir uns irgendwann doch endlich impfen lassen können.

Bis dahin heißt es: Abwarten und Teetrinken. Tee wirkt beruhigend, wer Tee trinkt, lässt sich nicht so leicht stressen. Immer mit der Ruhe, mag er sich denken. Oder: Wird schon schiefgehen. „Schiefgehen“ heißt eigentlich misslingen, scheitern, ohne Erfolg sein – doch wenn man sagt: „Wird schon schiefgehen“, meint man das Gegenteil. Die Deutschen sind nicht gerade berühmt für ihren Humor, aber diese ironische Formulierung ist fest etabliert.

„Haltet die Ohren steif!“

Auch sehr schön: Halt die Ohren steif! Das heißt ungefähr: Verlier den Mut nicht, bleib stark! Nicht immer leicht…

Trotzdem: Haltet die Ohren steif! Verzweifelt nicht an Corona und nicht an der deutschen Sprache. Übrigens: In Corona-Zeiten gibt es bei uns auch Online-Deutschkurse. Ihr könnt während der Sessions auch gerne Tee trinken.

Berlin im Film – eine cineastische Annäherung an die deutsche Sprache

Deutschlernen mit Filmen – im Kino oder zu Hause

Ob wir bald wieder ins Kino gehen können? Wir hoffen es sehr. Zunächst aber bleibt es wohl beim Heim-Kino. Schade, denn nirgendwo schmeckt das Popcorn so gut wie im echten Kino.

Doch auch der Filmabend zu Hause hat einen Vorteil: Wir bestimmen selbst das Programm. Deshalb stellen wir euch hier drei Filme über Berlin vor, die uns in den letzten Jahren begeistert haben.

Wie die Filme sind? Das machen die blau gedruckten Adjektive deutlich, typische Adjektive für Rezensionen. Zu den fett gedruckten Adjektiven gibt es noch eine Erklärung. Natürlich handelt es sich um positive Adjektive – denn wir empfehlen euch nur Filme, die wir wirklich gut finden.

Victoria (2015)

Kurz gefasst: Victoria heißt „Siegerin“ – doch die junge Spanierin Victoria, die es in diesem Film nach Berlin verschlagen hat, ist  eher eine Loserin. Ihren Lebenstraum, Pianistin zu werden, konnte sie nicht verwirklichen. Stattdessen jobbt sie in einem Café. In einer Clubnacht lernt sie vier „echte Berliner“ kennen: Sonne, Boxer, Blinker und Fuß. Als sie und die neuen Bekannten in einen Banküberfall verwickelt werden, wird die Berliner Nacht zum Abenteuer.

Empfehlenswert: Der Film ist sprachlich schlicht, aber ästhetisch anspruchsvoll. Eine einzige Kameraeinstellung wird über zwei Stunden durchgehalten. Das ist gewagt – man könnte auch sagen: ziemlich abgedreht. Dennoch (oder gerade deswegen) waren sich Filmkritik und Publikum einig: Victoria ist einfach überwältigend.

gewagt – speziell. Ein gewagtes Projekt ist ein nicht unbedingt ein gutes Projekt – es kann auch einfach verrückt sein. Ist es nun verrückt oder mutig, einen Film ohne Schnitte zu drehen? Gewagt ist es auf jeden Fall!

überwältigend – grandios, absolut beeindruckend. Wenn die eher nüchterne deutsche Filmkritik von einem Film überwältigt ist, ist der Film wahrscheinlich wirklich überwältigt.

Good bye Lenin (2003)

Kurz gefasst: Ost-Berlin 1989: Während die politische Führung der DDR den vierzigsten Geburtstag der Republik feiert, beginnt diese, sich aufzulösen. Keine leichte Zeit für die Christiane Kerner, eine überzeugte DDR-Bürgerin. Als sie sieht, wie ihr erwachsener Sohn Alex von Polizisten auf einer Demonstration verhaftet wird, fällt sie ins Koma. Nach sechs Monaten erwacht sie wieder. Nun muss ihr jede Aufregung erspart werden – dumm nur, dass in Deutschland gerade die größten Veränderungen seit 1945 im Gange sind.

Alex will seiner Mutter die Illusion erhalten, es sei nichts weiter passiert – und kommt auf die verrücktesten Ideen, als er versucht, für seine Mutter in der gemeinsamen 79 qm-Wohnung die DDR zu erhalten.

Empfehlenswert: Der Film ist reich an historischen Anspielungen, voll von authentischem Bildmaterial und satirischen Bezügen auf den ideologischen Jargon der DDR-Elite. Lebendiger kann Geschichte sein.

Doch keine Sorge: Nicht nur für Geschichtsstudenten ist Good bye Lenin sehenswert! Mit seinen mal skurrilen Szenen und sympathischen Charakteren ist dieser warmherzige Film kurzweilig – auch wenn man mal was nicht versteht.

skurril – seltsam, bizarr. Wenn Alex 1990 holländische Gurken in alte Gläser aus der DDR umfüllt, ist das ziemlich skurril.

warmherzig – freundlich, voller Menschlichkeit. Filme, die als warmherzig beschrieben werden, sind oft einfach sentimental. Okay, ein bisschen sentimental ist auch Good bye Lenin. Aber mir wird so warm ums Herz bei diesem Film, dass ich ihn lieber „warmherzig“ nenne…

 Oh boy (2012)

Kurz gefasst: Einen richtigen Plot hat dieser Film eigentlich nicht. Er braucht aber auch keinen. Wir begleiten Nico, einen jungen Loser, auch ohne Plot unglaublich gerne durch Berlin – in seine neue Wohnung, zum Psychiater, auf den Golfplatz, ins Theater, in die Bar. Wir lernen seinen Nachbarn kennen, seinen besten Kumpel, seinen Vater, eine ehemalige Mitschülerin, Dealer, Schauspieler, Tänzerinnen… Der Film ist schwarz-weiß – doch die Welt, die er uns eröffnet, ist so bunt wie Berlin.

Empfehlenswert: Zu Oh boy fallen mir sehr viele Adjektive ein: Der Film ist humorvoll, melancholisch, abgründig, manchmal herzzerreißend, manchmal urkomisch – aber es hilft nichts: Ihr müsst ihn selber sehen!

abgründig – geheimnisvoll. Kunst muss in Deutschland irgendwie immer abgründig sein – manchmal ist sie deshalb einfach prätentiös. Bei Oh boy ist das etwas ganz anderes!

herzzerreißend – bewegend, Mitleid erweckend. Tom Schilling, der Nico spielt, kann unglaublich traurig gucken. Sein Blick ist einfach herzzerreißend!

 

Der Durchbruch zum C1-Niveau

„Gut Ding will Weile haben“, lautet eine deutsche Redensart. Ihr seid auf dem Weg vom B2- zum C1-Niveau? Dann wisst ihr wahrscheinlich, dass in dieser Redensart mehr Wahrheit steckt, als ungeduldigen Lernenden lieb ist – aber das ist kein Grund zu verzweifeln.

Ziel C1-Niveau

Doch was unterscheidet das C1-Niveau überhaupt vom B2-Niveau? Die Eleganz, mit der wir uns in der Zielsprache bewegen. Auch auf B2-Niveau wissen sich Lernende ihren Weg durch das Wald von Deklinationen, Konjugationen und Idiomen zu bahnen – auf C1-Niveau jedoch schlüpfen sie flink wie ein Eichhörnchen hindurch.

Sie sprechen flüssiger, leicht verständlich und mit korrekter Intonation. Sie können zwischen verschiedenen Registern wechseln: Ein Telefonat mit der Vermieterin klingt bei ihnen anders als eine Unterhaltung mit der Nachbarin. Ein Schreiben an den Steuerberater liest sich anders als eine Chat-Nachricht an den Lover.

Solche Flexibilität erfordert einen großen Wortschatz und eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit grammatischen Strukturen. Dabei solltet ihr über große Ambitionen nicht die ganz basalen Dinge vergessen: Ein Verb im Konjunktiv glänzt nur dann so richtig, wenn es an der richtigen Position im Satz steht.

Wenn das Sprachbad nicht hilft…

Nun, da wir ein klares Bild vom C1-Niveau haben, ist natürlich die Frage, wie wir es erreichen. Eine beliebte Antwort ist: „Indem man vor Ort in die Zielsprache eintaucht!“ Abgesehen davon, dass unser Gehirn kein Schwamm ist, der, einmal ins Sprachbad getunkt, die Strukturen der Zielsprache von selbst aufsaugt, ist die Arbeitssprache vieler Expats in Berlin Englisch. Auch im Freundeskreis wird nicht unbedingt Deutsch gesprochen.

Auf das Sprachbad ist also kein Verlass. Verlass ist dagegen auf regelmäßiges Training. Das Internet ist voll von vermeintlichen Wundermittel. Doch auf Wunder ist kein Verlass – auf gut organisiertes Lernen schon.

Neue Kontexte erschließen

Klingt sehr nach der alten Ermahnung zu mehr Disziplin? Keine Sorge, das gut organisierte Lernen kann viel Spaß machen! Wie wäre es zum Beispiel, ein Hobby auf Deutsch zu treiben? Birdwatching? Power-Yoga?  Ein kurioser Fetisch? Das geht alles auch auf Deutsch! Notiert euch Redewendungen, Wortschatz, besondere grammatische Strukturen, die euch bei eurem Hobby öfters begegnen.

Auf B2-Niveau habt ihr sicher gelernt, euch in manchen Kontexten mühelos zu bewegen. Nun ist es Zeit, Neues auszuprobieren. Sucht euch Herausforderungen – wenn ihr euch vor spontanen Unterhaltungen auf Deutsch fürchtet, solltet ihr euch dringend mal spontan auf Deutsch unterhalten.

Zu brutal? Dann sucht nach Videos von Situationen, mit denen ihr euch noch schwertut. Wer Lust auf Kreativität hat, kann auch Rollenspiele entwickeln: Smalltalk in der U-Bahn, Bewerbungsgespräch, dramatischer Auftritt bei einem Song Contest – je nachdem, welche Skills ihr erweitern wollt. Nehmt euch selbst auf und wertet das Ergebnis mit eurem Tandem-Partner oder Sprach-Trainer aus.

Erfolge feiern

Auswerten heißt übrigens nicht einfach, Fehler festzustellen, sondern auch, Fortschritte zu sehen. Wer sich bewusst macht, was gelungen ist, bleibt motiviert. Nehmt euch deshalb jeden Tag oder jede Woche ein paar Minuten Zeit, um eure Erfolge zu feiern.

Was können nun wir als Sprachtrainer tun, um euch auf eurem ganz persönlichen Weg zum C1-Niveau zu begleiten? Wir bieten euch authentisches Sprachmaterial an, das auf eure persönlichen Ziele abgestimmt ist, und entwickeln mit euch Lernstrategien, die auch dann helfen, wenn ein das Sprachbad nicht hilft. Wenn ihr weitere Ideen und Anregungen habt – wir sind gespannt, sie von euch zu erfahren! Ihr erreicht uns unter info@allonboard.com oder telefonisch unter 030 39 83 39 93.

 

 

 

Idiome machen’s möglich: eine Schwarzwälder Romanze

Keine Angst vor Idiomen! Sie machen die Sprache reicher. Manche machen sogar glücklich.

Wenn die Lernenden in meinen Kursen deutsche Idiome benutzen, freue ich mich immer wie ein Schneekönig. Das ist eines meiner Lieblingsidiome: sich freuen wie ein Schneekönig

Der Schneekönig (ornithologisch korrekter: „Zaunkönig“) ist ein kleiner Vogel, der auch im Winter singt und singt und singt. Das macht sogar Berlinern gute Laune!

Gute Laune machen auch Idiome. Manche haben kuriose Geschichte, andere klingen einfach lustig. Mit Idiomen kann man nicht nur Deutschlehrer begeistern, man kann auch viel Spaß mit ihnen haben. Und manches kann man nur idiomatisch richtig ausdrücken. Zum Beispiel Gefühle.

Gefühle auf Deutsch ausdrücken

Beginnen wir mit einem ganz großen: der Liebe! Wie drückt man auf Deutsch eigentlich Liebe aus? Gar nicht, könnte man meinen. Der Comedian Firas Alshater schwärmt in seinem Buch Versteh einer die Deutschen von der poetischen Kraft, mit der man auf Arabisch liebt.

Im Schwarzwald dagegen höre sich ein klassischer Heiratsantrag etwa so an: „Des isch mei Häusle, des isch mei Mudda und freitags gibts Spätzle. Überlegsch dir’s hald.“ (Nicht alle können so schön schwäbeln wie Firas Alshater, deshalb nochmal, nun ja, auf deutsch: „Das ist mein Häuschen, das ist meine Mutter und freitags gibt’s Spätzle (schwäbische Nudeln). Überleg es dir halt.“)

Ob dieser junge Liebhaber Erfolg haben wird? Wollen wir es ihm wünschen, denn sonst, ja sonst…

Sonst blutet ihm das Herz! Das ist einerseits schade. Andererseits ist es sprachlich sehr hübsch, wenn einem „das Herz blutet“. Solange der junge Mann aus dem Schwarzwald glücklich verliebt und voll Hoffnung ist, macht es die deutsche Sprache ihm schwer, seine Gefühle in Worte zu kleiden. Wenn es ihm aber schlecht geht, bietet sie ihm eine Menge Idiome! 

Idiome für Angst

Sicher hatte er Furcht, als er zu seiner Geliebten ging. Was mag er in sein Tagebuch geschrieben haben? Vielleicht: „Angst und bange war mir, als ich es ihr sagte, oh ja, mir war himmelangst!

Vielleicht beschreibt er seine Furcht auch physisch:Ich habe Blut und Wasser geschwitzt! Wahrscheinlich hat jeder schon mal vor Angst geschwitzt, und wenn es richtig schlimm wird, schwitzt man eben Blut und Wasser. Jedenfalls metaphorisch – ansonsten sollte man sich lieber einem Arzt als seinem Tagebuch anvertrauen!

Zum Arzt gehen sollte man auch, wenn man vor Angst Durchfall bekommt. Solche psychosomatischen Probleme können schlimm sein – hoffentlich ist es nur ein Idiom, wenn der arme Schwarzwälder in sein Tagebuch schreibt: „Ich habe mir vor Angst in die Hosen gemacht. Was, wenn sie Mutters Spätzle nicht will? Als ich daran dachte, rutschte mir das Herz in die Hosen!“

Idiome für Glücksgefühle

Doch vielleicht wird ihm auch wieder leichter ums Herz. Vielleicht hat Glück. Vielleicht findet seine Geliebte zufällig seine Tagebücher und denkt sich: „Was ist er doch für ein Poet! Den muss ich heiraten, dafür esse ich sogar freitags Spätzle!“

Da würde er sich freuen wie ein Schneekönig! Freuen wir uns mit ihm – über all die schönen Idiome, mit denen wir auf Deutsch unsere Gefühle ausdrücken können.

Wenn ihr deutsche Idiome mit uns erkunden wollt, schreibt uns oder ruft uns an! www.allonboard.de

Moin? Grüezi? Oder einfach Hallo?

Welchen Gruß kann man in welcher Region benutzen?

all on board - which greeting?

This is our first post in German by Karl, a trainer at All on Board. As many of our course participants are B1 level or above, we wanted to offer something fun to read ‘auf Deutsch’.

So here goes!

„Moin!“

Also nochmal auf Deutsch: Moin! Moment mal: Heißt das nicht „Guten Morgen“? Aber vielleicht ist es ja Abend? Vielleicht kommt ihr gerade von der Arbeit. Oder es ist Nacht und ihr habt gerade die dritte Flasche Rotwein mit Freunden geleert – da ist der Blog einer Sprachschule doch genau das Richtige. Oder nicht?

all on board - which greeting?

Mit „moin“ begrüße ich euch aber gar nicht, weil ich glaube, unser Blog sei eure Morgen-Lektüre. „Moin“ schreibe ich, weil ich aus Norddeutschland komme. Dort sagt man zu jeder Tages- und Nachtzeit „moin“ – nicht nur morgens, wie zum Beispiel in Berlin.

Nicht alle kennen die Sitten der Norddeutschen. Viele Urlauber wundern sich, wenn sie abends mit „moin“ oder „moin moin“ angesprochen werden – ein Scherz? Wollen die Leute von der Küste irgendwie lustig sein? Bekannt für ihren Humor sind sie eigentlich nicht… Haben sie vielleicht zu viel von ihrem berühmten Kümmelschnaps getrunken und können deshalb keine Tageszeiten mehr unterscheiden?

Oder lieber „Grüß Gott“?

Nein, „moin“ ist einfach eine spezielle Grußformel – genau wie das süddeutschen „Grüß Gott“. Für Norddeutsche klingt „Grüß Gott“ wie die Aufforderung, dem lieben Gott schöne Grüße zu bestellen, falls sie ihn zufällig treffen. Dabei ist „Grüß Gott“ eine Kurzform von: „Grüße dich Gott!“ Das Verb steht im Konjunktiv I. Er drückt hier den Wunsch nach einem Ereignis aus: Gott möge den Angesprochen grüßen.

Ist aber auch egal: Man kann auch „Grüß Gott“ sagen, ohne sich mit dem Konjunktiv I auszukennen. Man muss nicht mal katholisch sein – „Grüß Gott“ bedeutet nichts anderes als „Servus“. Wieder so eine regionale Grußformel – für die Schweizer unter euch: „Servus“ heißt einfach „Grüezi“.

Übrigens: Wenn ihr einen Gruß nicht versteht, wiederholt ihn einfach – damit macht ihr nichts falsch: Die Antwort auf „Moin“ ist „Moin“, „Grüß Gott“ erwidert man mit „Grüß Gott“, „Servus“ mit „Servus“, „Grüezi“ mit „Grüezi“. Strange? Dann sagt einfach „Guten Tag“ – das versteht man im gesamten deutschsprachigen Raum.

Oder doch auf Standarddeutsch?

Habt ihr Spaß an sprachlichen Kuriositäten? Dann schreibt uns doch mal eine Mail mit der Anrede „Moin“. Das ist in Berlin zwar nicht üblich – aber ich komme ja aus Norddeutschland und weiß Bescheid.

all on board - which greeting

Wenn ihr mich richtig sentimental machen wollt, könnt ihr auch „Glück auf!“ schreiben – das erinnert mich an meinen Großvater, der im Bergbau arbeitete. Mit „Glück auf!“ begrüßten sich früher die Bergleute. Wer seriös wirken will, macht so was natürlich nicht, sondern bleibt bei „Liebe/Lieber XY“ oder „Sehr geehrte Frau XY/Sehr geehrter Herr XY“.

Wie auch immer ihr uns grüßt – wir freuen uns auf eure Mail an info@allonboard.de